CHRONISCHE BECKENSCHMERZEN

„WIDERSPENSTIGE“ SCHMERZEN VERSTEHEN

Was genau ist das?

Chronische Beckenschmerzen (CBP) werden als Schmerzen im Unterbauch definiert, die länger als 6 Monate andauern – entweder kontinuierlich oder intermittierend. Manchmal bleiben die Schmerzen selbst nach der Behandlung der Endometriose bestehen, weil das Nervensystem „überempfindlich“ geworden ist.

Wie erkennt man sie?

Es ist ein echtes medizinisches Rätsel, da mehrere Organe beteiligt sein können:

  • Überlappende Symptome: Häufig besteht eine Kombination aus gynäkologischen, urologischen (schmerzhafte Blase) und Verdauungsproblemen (Reizdarm).
  • Zentrale Sensibilisierung: Das Gehirn „lernt“, Schmerzen wahrzunehmen, und verstärkt die Signale – ähnlich wie ein Lautstärkeregler, der auf Maximum feststeckt.
  • Emotionale Auswirkungen: Die lange Wartezeit bis zur Diagnose (durchschnittlich 7 bis 10 Jahre) verursacht häufig Angst und Katastrophendenken im Zusammenhang mit Schmerzen, wodurch der Schmerzzyklus aufrechterhalten wird.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wir verwenden das biopsychosoziale Modell, da eine einzelne Tablette nicht ausreicht:

  • Neuromodulation: Einige Medikamente wirken auf die nervliche Schmerzübertragung und nicht direkt auf das Organ selbst.
  • Rehabilitation des Beckenbodens: Physiotherapie hilft dabei, die Beckenbodenmuskulatur zu entspannen, die sich als Schutzreflex anspannt.
  • Digitale Werkzeuge: Einsatz von Tracking-Apps, um Patientinnen dabei zu helfen, die Kontrolle über ihren Alltag zurückzugewinnen.
  • Unterstützende Therapien: Kognitive Therapien helfen dabei, die Schmerzwahrnehmung des Gehirns „neu zu programmieren“.

Die Komplexität von Beckenschmerzen verstehen

  • Chronische Beckenschmerzen sind eine komplexe Erkrankung, die häufig über eine einzelne Diagnose hinausgeht. Es gibt nahezu 96 verschiedene Erkrankungen, die diese Symptome verursachen können und mehr als 11 medizinische Fachgebiete betreffen.
  • Während die Gynäkologie (einschließlich Endometriose und Adenomyose) den größten Anteil der Diagnosen ausmacht, können viele weitere Faktoren eine Rolle spielen:
  • Neurologisch: Beteiligung der Beckennerven oder Sensibilisierung des zentralen Nervensystems.
  • Muskuloskelettal: Funktionsstörungen der Beckenbodenmuskulatur oder der Gelenke.
  • Verdauungs- & urologische Ursachen: Darm- oder Blasenstörungen, die sich häufig mit gynäkologischen Schmerzen überschneiden.
  • Diese Vielfalt zeigt, warum ein multidisziplinärer Ansatz unerlässlich ist. Die genaue Ursache der Schmerzen zu identifizieren, ist der erste Schritt zu einem individuellen und wirksamen Behandlungsplan für jede Frau.